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RIA Novosti April 3, 2006

Iran erprobt Fajr-3-Rakete - Hintergrund

MOSKAU, 03. April (RIA Novosti). Der Befehlshaber der Luftstreitkräfte des Korps der "Wächter der Islamischen Revolution", General Hossein Salami, hat am Freitag erklärt, dass die iranischen Streitkräfte erfolgreich eine Rakete einer neuen Generation erprobt haben, die für Funkmessgeräte "unsichtbar" ist und gleich mehrere Ziele treffen kann, teilte Reuters mit.

Dem General zufolge handelt es sich um eine absolut neue Technologie.

Er präzisierte nicht, um welche konkrete Rakete es geht, weigerte sich, ihre Reichweite zu nennen, sagte aber, dass sie von der Masse der Gefechtsköpfe abhänge. Salami betonte, dass die erprobte Waffe einen defensiven Charakter habe.

Allerdings behauptet das iranische staatliche Fernsehen, dass es sich um die ballistische Rakete Fajr-3 handele, deren Reichweite angeblich mit der der Rakete Shahab-3 (laut Reuters bis zu 2000 km) vergleichbar sei. Somit geht es, schenkt man den iranischen Massenmedien Glauben, um eine Waffe, die die israelischen und amerikanischen Stützpunkte im Nahen Osten treffen kann. Die Meldung über die Erprobung der Rakete ging mit der Demonstration ihres Starts einher.

Wie "Lenta.Ru" bemerkte, wusste man bislang nichts davon, dass "unsichtbare" Raketen mit einem solchen Namen in Iran entwickelt werden. "Lenta.Ru" erinnert auch daran, dass Mehrfachraketenwerfer Fajr-3, deren Reichweite nicht über 43 Kilometer beträgt, zur Bewaffnung der iranischen Armee gehören. Reuters betonte unter Hinweis auf die amerikanische Web-Site globalsecurity.org, dass die Fajr-3-Raketen in Iran hauptsächlich zu taktischen Zwecken entwickelt wurden.

Auskunft

Die Mehrfachraketenwerfer Fajr-3 werden in Iran seit ungefähr 1990 hergestellt. Nach einer "Lenta.Ru"-Information wurde Fajr-3 unter Auswertung von nordkoreanischen Technologien entwickelt, die an Iran Ende der 80er Jahre übergeben worden waren. Der Mehrfachraketenwerfer Fajr-3 besteht aus vier Startschienen für 240-mm-Raketen. Jede Rakete hat einen 45 Kilogramm schweren Gefechtskopf. Die Reichweite beträgt 43 Kilometer. Neben Fajr-3 gehören die Mehrfachraketenwerfer Fajr-5 (zwei Teile mit je sechs 333-mm-Rohren) zur Bewaffnung der iranischen Landstreitkräfte. Ihre Reichweite beträgt 75 Kilometer.

Der TV-Kanal SBS führt Meinungen von Experten an, die die Möglichkeit der Entwicklung von Raketen mit Mehrfachsprengköpfen in Iran nicht ausschließen. Sie erinnern jedoch daran, dass die Treffsicherheit dieser Raketen bisher bestimmte Zweifel auslöst. Außerdem hat Iran bislang keinen Kernsprengkopf, mit dem diese Raketen bestückt werden könnten. Die Entwicklung eines solchen Sprengkopfes kann nach Meinung von Spezialisten etwa fünf Jahre in Anspruch nehmen. Ihnen zufolge kann man auch die bestehende Rakete Shahab-3 als Trägermittel von Kernwaffen einsetzen.

Iran bereitet sich auf Verteidigung vor

Die Erprobung einer geheimnisvollen Rakete, die in der Welt Aufsehen erregte, erfolgte im Rahmen der großangelegten Marinemanöver in Iran. Sie finden im Raum des Persischen Golfes und des Golfes von Oman im Süden des Landes statt und dauern bis zum 6. April an. Daran nehmen über 17 000 Mariner, etwa 1500 verschiedene Kampfschiffe, Fliegerkräfte zur Unterstützung, Abfangflugzeuge, Bomber, Hubschrauber und mobile Raketenwerfer teil. Geplant war auch der Start einer ballistischen Rakete iranischer Produktion Shahab-2.

Wie der Befehlshaber der Seestreitkräfte vom Korps der "Wächter der Islamischen Revolution", Konteradmiral Mortaza Safari sagte, besteht das Hauptziel der Manöver im Üben von Handlungen für den Fall eines möglichen militärischen Überfalls auf die südlichen Grenzen Irans. "Die Manöver werden durchgeführt, um einem gegen unser Land entfesselten psychologischen Krieg entgegenzuwirken, zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit der Streitkräfte der Islamischen Republik, zur Demonstration der Leistungen der iranischen Rüstungsindustrie, zur Bewertung der Handlungen der Führung der Armee sowie zur militärischen Ausbildung der Volkswehr Basidsch", unterstrich Safari.

30 Tage für die Vorbereitung

Experten machen darauf aufmerksam, dass die Manöver bekannt gegeben wurden, nachdem in Berlin die Erörterung des Iran-Problems unter Beteiligung von sechs Ländern (fünf Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates und Deutschland) stattgefunden hatte. Die Außenminister der sechs Länder forderten Iran erneut auf, das Moratorium für Urananreicherung und -verarbeitung wiederherzustellen und auf die Zusammenarbeit mit Inspektoren der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) zurückzukommen. Die IAEO wurde beauftragt, binnen 30 Tagen den UNO-Sicherheitsrat darüber zu informieren, ob Teheran die entsprechenden Resolutionen des IAEO-Gouverneursrates erfüllt.

In Teheran wurde die Entscheidung des Sicherheitsrates, vorläufig keine Sanktionen zu verhängen, begrüßt, aber ein weiteres Mal unterstrichen, dass das Land nicht die Absicht habe, auf das friedliche Nuklearprogramm zu verzichten. Der ständige Vertreter Irans bei der UNO, Mohammad Javad Zarif, betonte unter anderem, dass das Recht auf den Besitz von friedlichen Nukleartechnologien in der internationalen Gesetzgebung auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen vorgesehen ist.

"Das darf man nicht ignorieren"

Die Meldungen über die Erprobung einer "unsichtbaren" Rakete in Iran lösten eine scharfe Reaktion seitens der USA aus. Dem stellvertretenden US-Außenamtssprecher Adam Ereli zufolge beweist der Start der Rakete, dass Iran eine noch aggressivere Position in der Region eingenommen hat. Ereli fügte hinzu, dass Iran nach Angaben Washingtons heute an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägermitteln arbeitet.

Israel erinnerte daran, dass Iran eine Gefahr für die Sicherheit der Region darstelle. "Diese Nachricht (über die Erprobung der Rakete - die Red.) löste eine große Beunruhigung aus, die von vielen Ländern der Weltgemeinschaft geteilt wird", sagte der offizielle Sprecher des israelischen Außenministeriums, Mark Regev. Er fügte hinzu, dass man sich nicht über die Verbindung von Kernwaffen und deren Trägermitteln mit der extremistischen jihadistischen Ideologie hinwegsetzen dürfe.

Das Material wurde von der Internet-Redaktion www.rian.ru auf der Grundlage von Informationen der RIA Novosti und anderer Quellen zusammengestellt.


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