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Junge Welt November 24, 2005

Mißglückte Abwiegelung

Der von den USA im Irak eingesetzte weiße Phosphor ist angeblich keine Chemiewaffe. 1991 sah das Pentagon das noch ganz anders

Von Rainer Rupp

Unter Einschaltung namhafter Militärexperten und bekannter Zeitungen, einschließlich der New York Times, laufen in den USA derzeit Bemühungen, den politischen Schaden durch den Einsatz von weißem Phosphor (WP) in Irak zu begrenzen. Dabei wird behauptet, daß WP gar keine chemische Waffe sei. Inzwischen aber haben Recherchen ergeben, daß das Pentagon im Jahre 1991 in seinen eigenen Berichten die Benutzung von weißem Phosphor durch irakische Truppen gegen kurdische Aufständische als »Chemiewaffeneinsatz« bewertet hat. Als erster hatte der italienische Journalist Sigfrido Ranucci am Dienstag auf diese Tatsache hingewiesen und den Amerikanern folgerichtig Scheinheiligkeit vorgeworfen.

Sigfrido Ranucci hatte in einem Fernsehbericht auf dem Sender RAI-24 am 8. November den Einsatz des von der UNO seit 1980 geächteten weißen Phosphors der Öffentlichkeit bekanntgemacht. Diese Enthüllung sorgte international für Schlagzeilen. Zunächst hatte das Pentagon alles abgestritten. Als dies angesichts der Faktenlage nicht mehr möglich war, behauptete das US-Verteidigungsministerium, WP-Granaten seien nur benutzt worden, um gegnerische Positionen zu erleuchten. Zu keinem Zeitpunkt sei WP »absichtlich gegen Menschen eingesetzt worden«, so der US- Militärsprecher, Oberstleutnant Steve Boylan. Schnell kam jedoch heraus, daß amerikanische Offiziere in Militärmagazinen über den Einsatz von weißem Phosphor gegen irakische Widerstandskämpfer geschrieben hatten.

Was nun wie eine Vertuschung aussehe, sei jedoch nur durch »Dummheit und Inkompetenz« der Öffentlichkeitsarbeit des US-Militärs entstanden, meinte der Sicherheitsexperte John Pike von der GlobalSecurity Organisation zu Wochenbeginn in der New York Times. Dabei sei rund um die Welt erneut der Eindruck aufgekommen, »daß die Amerikaner weiterhin Grausamkeiten begehen und hinterher alles abstreiten«. Aber im Fall von WP sei das absolut falsch, denn weißer Phosphor sei gar keine chemische Waffe. Auf der Webseite von GlobalSecurity.org findet man jedoch den Bericht des militärischen Nachrichtendienstes des Pentagon (DIA), auf den Sigfrido Ranucci hingewiesen hatte. In diesem Bericht über den irakischen Einsatz von WP gegen Kurden spricht das DIA ständig von »white phosphorous chemical weapons«, also von der Chemiewaffe WP. GlobalSecurity.org hat diesen DIA-Bericht sogar unter der Rubrik »irakische Massenvernichtungswaffen« eingeordnet.


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