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Financial Times Deutschland February 15, 2005

USA spionieren Irans Luftabwehr aus

Teheran bietet Uno im Atomstreit umfassende Kontrollmöglichkeiten an

Von Hubert Wetzel, Washington

Iran hat angeboten, seine Atomanlagen durch die Vereinten Nationen (Uno) kontrollieren zu lassen. "Iran ist bereit, sich einer scharfen Überwachung und den Kontrollen der Aufsichtsbehörden zu stellen", sagte Außenminister Kamal Charisi gestern. Allerdings hatte die Regierung in Teheran in der Vergangenheit ähnliche Angebote gemacht, den Kontrolleuren letztlich aber keinen uneingeschränkten Zugang gewährt.

Deutschland, Großbritannien und Frankreich verhandeln mit dem Iran über ein Ende seines Atomprogramms. Die USA werfen der Regierung in Teheran vor, nach Atomwaffen zu streben. Der Iran spricht dagegen von einem zivilen Programm. Die USA dringen auf ein entschlossenes Vorgehen gegen den Iran und haben ein militärisches Eingreifen nicht ausgeschlossen.

Wie die "Washington Post" berichtet, lässt das US-Verteidigungsministerium derzeit unbemannte Spionageflugzeuge im Iran nach versteckten Atomanlagen suchen. Zudem sollen die Standorte der Luftabwehr ausgekundschaftet werden. Die Flüge seinen, so der Bericht, "eine Standardmaßnahme zur Vorbereitung von Luftangriffen".

Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur UPI berichtet, das US-Kampfpiloten absichtlich in iranischen Luftraum eindringen. Dies solle Irans Luftabwehr dazu verleiten, ihre Radars anzuschalten. Das wiederum würde den USA erlauben, Abwehrstellungen zu lokalisieren.

Die zunehmenden Berichten über Spionageaktionen des Pentagon in Iran bedeuten zwar nicht, dass ein Militärschlag der USA gegen das Land unmittelbar bevorsteht. Sie zeigen jedoch, dass das Pentagon für den Ernstfall vorbereitet sein will.

Die Berichte werfen ein Schlaglicht auf die wohl größte Schwachstelle in der amerikanischen Iran-Strategie: Washington hat nach Ansicht vieler Experten derzeit keine Ahnung, was in dem Land vorgeht. Der konservative Hardliner Richard Perle plauderte jüngst aus, dass der iranische Geheimdienst fast das gesamte Netz amerikanischer Spione in dem Land zerschlagen habe. "Ich glaube, wir stehen in Iran sehr schlecht da", so Perle.

Das Atomprogramm ist ein schwarzes Loch. US-Experten rätseln, ob es tatsächlich nur aus den bekannten Nuklearanlagen besteht, oder ob Iran nach nordkoreanischem Vorbild weitere Anlagen gebaut hat - gut versteckt und tief verbunkert. Dann wären Luftschläge nur gegen die bekannten Anlagen zwecklos. Im schlimmsten Fall sei "denkbar, dass wir bombardieren und die Iraner am nächsten Tag eine Atombombe testen", sagt der US-Militärexperte John Pike. Andere Experten sehen das ähnlich. "Wenn die US-Geheimdiensterkenntnisse zum Irak schlecht waren - und sie waren fürchterlich -, dürften die Erkenntnisse über Iran noch schlechter sein", sagt der ehemalige CIA-Mitarbeiter Richard Russell.


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